Erwin Götz

Der Bildhauer Erwin Götz arbeitet vorwiegend mit Holz.

In dreifacher Weise gestaltet er dieses Material:

  • Fundstücke montiert und präsentiert er so, dass zunächst belanglos Scheinendes in der Wahrnehmung der Betrachter Bedeutung erhält. Beispiel: IKAROS (2013, Esche) | Zerspellte Reste eines vom Sturm gefällten Eschenstammes fügt Erwin Götz in einer Weise zusammen, dass sie zum Sinnbild für den Absturz des Ikaros werden. Dieses Objet trouvé hat eine Spannweite von 252 cm. (Mythos: Der Schmied Daidalos hat für sich und seinen Sohn Ikaros Flügel gebaut, um aus dem minoischen Labyrinth zu fliehen.)

 

  • Seine Skulpturen entwickelt Erwin Götz aus den von der Natur vorgegebenen Formen des Holzes, verstärkt sie, entbindet sie. Beispiel: GEDREHT (2012, Kirsche 145 cm) | Diese spannungsreiche Holzskulptur wendelt sich schwungvoll um ihre Mittelachse, so dass von allen Seiten die Außenschale wie auch ihre gekerbte Innenansicht zu sehen sind.

  • Erwin Götz zwingt dem Holz eine allegorisch figürliche Formensprache auf, oft basierend auf Philosophie, Psychologie, Mythos. Beispiel: LEBEN (2010 – 2012, Linde 220 cm) | Auf fragil gestelzten, übermannshohen Hochstühlen sitzen Gestalten, die auf ihre bedrohliche Situation unterschiedlich reagieren: Hält sich die eine eher ängstlich verkrampft an ihrem Stuhl fest, wagt eine andere – sich mutig vorbeugend – den Blick in die Tiefe; eine weitere Gestalt gibt sich der schwindelnden Höhe geradezu heiter entspannt hin und schaut mit überkreuzten Beinen, den Kopf nach hinten geneigt, zum Himmel. Eine Allegorie auf den modernen Menschen, der sich mehr und mehr seiner Existenz in Zeit und Raum bewusst wird und diese Existenz individuell nach ihrem Sinn hinterfragt – anknüpfend an den Existenzphilosophen Albert Camus.